Ein gutes Homeoffice-Konzept besteht aus mehreren Bausteinen: Ambiente, Technik, Arbeitsorganisation, Pausen- und Bewegungsstrategien sowie Regeln im Umgang mit Kolleg*innen und Führungskräften.
In diesem Artikel erhältst du die besten Tipps & Tricks für das Arbeiten im Homeoffice aus der Praxis.
Fester Arbeitsplatz: Basis für Produktivität und Gesundheit
- Richte einen klar definierten, festen Arbeitsplatz ein. Küchentisch ist kurzfristig okay, langfristig aber suboptimal.
- Investiere, wenn möglich, in einen ergonomischen Bürostuhl und einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Das reduziert Rückenbeschwerden und erhöht die Konzentrationsfähigkeit.
- Optional: Laufband unter dem Tisch, wenn du viel stehend arbeiten willst – viele Anwender berichten von deutlichem Komfortgewinn dadurch.
Praxis-Tipp: Probiere Stühle bei einem regionalen Fachhändler. Achte auf Rücksendemöglichkeiten, wenn du online kaufst.
Die richtige Hardware
- Mindestens zwei Monitore mit Monitorarm oder ein sehr großer Monitor erleichtern Multitasking und vermeiden ständiges Alt+Tab.
- Gute externe Kamera (für gerade Blickrichtung bei mehreren Monitoren oder Webcam), separates Mikrofon (z. B. Standmikrofon mit Arm) und ggf. Konferenzlautsprecher sind deutlich angenehmer als lange Headset-Sessions.
- Peripherie: mechanische Tastatur, gutes Mauspad, USB-Hub — je nach Bedarf.
- Beleuchtung: Indirektes, stimmungsvolles Licht im Homeoffice (z. B. Hue Lightbars oder LED-Strips) für augenschonendes Arbeiten und klare Signale im Haushalt.
Praxis-Tipp: Achte bei Monitoren auf ergonomische Höhe; Kameras sollten frontal und auf Augenhöhe sitzen. OBS oder virtuelle Kamera-Tools helfen, Bild- und Audio-Set-ups in Meetings zu stabilisieren.
Arbeitsorganisation: Kalender, Blocker, Meeting-Strategien
- Nutze Kalender-Blocker (Outlook/Teams) für konzentrierte Phasen. Viele haben produktive Zeiten, z. B. 8:00–9:30 und 11:30–13:30 als „ich bin beschäftigt“ gesetzt – ohne dass dann keine Arbeit mehr erledigt wird, aber ohne Meetings.
- Plane Meetings kürzer: Eine halbe Stunde statt einer vollen Stunde erhöht oft die Effizienz.
- Dokumentiere Ziele und Ergebnisse von Meetings, damit nur notwendige Personen teilnehmen müssen.
- Setze wiederkehrende Blocker für Routineaufgaben, damit du nicht überbucht wirst.
- „Nein“ sagen üben: Wenn mehrere Projekte um Priorität konkurrieren, frage konkret nach Priorisierung – so wird Überlastung vermieden.
Praxis-Tipp: Lege klare Meeting-Agenden fest und schicke vorab: Wer macht was bis wann? Das reduziert Teilnehmerzahl und Dauer.
Arbeitszeiten, Erreichbarkeit und rechtliche Fallstricke
- Flexible Zeiteinteilung ist ein Vorteil von Homeoffice – dennoch gilt: vertraglich festgelegte Arbeitszeiten/Kernzeiten beachten.
- Wenn vertraglich 40 Stunden/Woche vereinbart sind, gilt es, das Pensum einzuhalten. Längere private Aktivitäten während der Arbeitszeit können arbeitsrechtlich problematisch sein, wenn die vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbracht wird.
- Legale Lösungen: Absprache mit Vorgesetzten, Vertrauensarbeitszeit, Gleitzeitmodelle, Mittagspausen vereinbaren oder Überstunden ausgleichen.
Praxis-Tipp: Prüfe deinen Arbeitsvertrag (Arbeitszeitmodell, Kernzeiten, Stempeln), bevor du deine Tagesstruktur massiv änderst.
Pausen, Bewegung und Routine
- Simuliere deinen Arbeitsweg: Ein kurzer Spaziergang vor und nach der „Arbeit“ hilft beim mentalen Umschalten.
- Kurze, regelmäßige Pausen, z. B. 30 Minuten ohne Bildschirm nach Feierabend, oder mittags ein Spaziergang /Sport – für Rücken und Kopf enorm wichtig.
- Kleine Haushaltstätigkeiten (Wäsche ein- oder ausräumen, Geschirr) sind meist akzeptabel, sofern das Arbeitspensum stimmt.
Praxis-Tipp: Nutze kaltes/klares Licht für Arbeitsphasen und warmes Licht für Freizeit zur mentalen Trennung. Stelle Erinnerungen für Pausen ein.
Kommunikation, Small Talk und Teamkultur
- Small Talk mit Kolleg*innen fehlt im Homeoffice oft. Plane bewusst informelle Gespräche (kurze 1:1s, Walking-Meetings).
- Klare Kommunikation mit Team und Führungskräften zu Erwartungen, Erreichbarkeit und Meetings ist zentral.
- Vertraulichkeit und Rücksicht im Haushalt: Signalisierungen wie Lampe/Lightbar, die bei Calls rot schaltet, verhindern unerwünschte Unterbrechungen.
Praxis-Tipp: Vereinbare gemeinsame Kernzeiten oder feste wöchentliche Sync-Meetings, um Isolation zu vermeiden.
Datenschutz, Überwachung und Privatsphäre
- Manche Arbeiter im Homeoffice berichten, dass IT-Teams mit Remote-Tools (z. B. TeamViewer) auf Firmen-PCs zugreifen können. In der Regel informiert die IT darüber; nicht alle Zugriffe sind heimlich legal.
- Persönliche Webcams zuzukleben, ist ein häufiger Tipp aus Sicherheits- und Privacy-Sicht; mit Firmenhardware sollte man jedoch Richtlinien beachten.
- Vorsicht vor „Maus-Beweger“-Skripten oder externen Tools, die Präsenz vorgaukeln – das kann gegen Firmenrichtlinien verstoßen und Konsequenzen haben.
Praxis-Tipp: Kläre mit dem Arbeitgeber, welche Monitoring-Tools eingesetzt werden und welche Rechte die IT hat. Arbeite mit klarer Kommunikation statt Täuschung.
Praktische Tricks für den Alltag
- „Meeting mit dir selbst“ buchen: verhindert, dass andere in diese Zeit Termine legen.
- Walking Meetings: Für 1:1s intern funktioniert das gut, wenn kein Bildschirm nötig ist.
- Hardware mit hardwareseitigem Mute bei Mikrofonen minimiert peinliche Momente.
- Nutze OBS oder virtuelle Kamera-Software, wenn du komplexe Setups oder Greenscreens verwendest, um Echo/Audioprobleme zu vermeiden.
- Wenn möglich: Arbeitgeber um Zuschuss für Equipment bitten (Stuhl, Monitore, Kamera) – viele übernehmen solche Kosten.
Praxis-Tipp: Ein Standmikrofon + Schallschutz, statt On-Ear-Headset, erhöht Komfort; für sehr lange Telefonate bleiben ohrumschließende Headsets empfehlenswert.
Umgang mit Mehrpersonenhaushalten und Störfaktoren
- Gute Raumaufteilung, Pappwände oder schlichtere organisatorische Regeln mit Mitbewohnern/Partnern helfen.
- Wenn mehrere Personen gleichzeitig Homeoffice machen, sind zeitlich gestaffelte Kernzeiten und visuelle Hinweise (z. B. Lampe) sehr nützlich.
Praxis-Tipp: Coworking-Spaces können eine günstige Alternative sein, wenn zu Hause keine geeignete Arbeitsumgebung vorhanden ist. Stundenweise Buchungs-Apps existieren.
Psychologie, Kleidung und Feierabend
- Kleidung beeinflusst Arbeitsmodus: Manche arbeiten lieber in Jogginghose, andere fühlen sich professioneller im „Arbeitsoutfit“.
- Feierabend klar abgrenzen: Mindestens 30 Minuten ohne Bildschirm nach der Arbeit, Ritual (Spaziergang, Duschen, Sport) als Signal für Kopfabschaltung.
- Gestalte dein Arbeitszimmer etwas persönlicher (Pflanzen, Deko), das steigert das Wohlbefinden.
Praxis-Tipp: Nutze farbtemperaturwechselnde Lampen für Tagesrhythmus und mentale Trennung.
Spezialfälle, Komfort-Setups und sinnvolle Gadgets
- Höhenverstellbarer Tisch (z. B. Ergotopia Pro) mit Monitorarmen ist beliebt – minimaler Wackelkomfort, dafür Komfort auf lange Sicht.
- Hydraulik-Monitorarme reduzieren Wackeln beim Tippen.
- Konferenzlautsprecher (Jabra) oder ein externer USB-Audiohub verbessern die Tonqualität ohne ständiges Headsettragen.
- Für visuelle Hinweise: Hue Lightbars hinter Monitoren sind beliebt; mit Kalender-Integration sind automatische Signale denkbar.
Was man vermeiden sollte
- Versteckte Skripte und Tools, die Präsenz vorspiegeln, statt offen mit dem Arbeitgeber zu klären.
- Dauerhafte Vermischung von Freizeit und Arbeit ohne klare Zeitstruktur – das führt langfristig zu Burn-out und schlechter Produktivität.
- Unklare Absprachen mit dem Team über Erreichbarkeit: Das schafft Reibung und Misstrauen.
Schlussgedanken und Umsetzungsschritte
- Schritt 1: Vertrag prüfen — Arbeitszeitmodell, Kernzeiten, Ausstattung.
- Schritt 2: Basis-Setup aufbauen — ergonomischer Bürostuhl, Monitor(e), gute Kamera/Mikro, Beleuchtung.
- Schritt 3: Kalender strukturieren — Blocker, feste Meeting-Zeiten, 30-Minuten-Pausenplan.
- Schritt 4: Kommunikation regeln — Erwartungen mit Vorgesetzten, Teamabsprachen, Datenschutzfragen mit IT klären.
- Schritt 5: Routinen etablieren — Weg-Simulation, Feierabendrituale, regelmäßige Bewegung.
Kurz-Checkliste (konkret)
- Fester Arbeitsplatz + guter Stuhl + höhenverstellbarer Tisch
- 2 Monitore oder großer Bildschirm
- Externe Kamera + Standmikrofon oder gutes Headset
- Kalender-Blocker für Fokuszeiten
- Meetings kurz und mit Agenda
- Pausen & Bewegung (Spaziergang vor/nach Arbeit)
- Klare Absprachen zur Erreichbarkeit
- Datenschutz/IT-Richtlinien klären
- Lichtsteuerung für Tagesrhythmus
- Walking Meetings, Small Talk bewusst pflegen




